1st Meeting Mainz, 1958

(From: page 1, Aspects of Altaic Civilization. Edited by Denis Sinor. Indiana University Uralic and Altaic Series vol. 23 (1963), 263 pp. Reprinted by Curzon Press, London)

A […] first meeting of Altaists was held in Mainz, June 25 to 28, 1958. Representatives of seven countries gathered there and the work was found to be so fruitful that the creation of the Permanent International Altaistic Conference (PIAC) was decided upon and Professor W. Heissig (Bonn) was elected Secretary-General.

(Aus: pp. 1–6, Permanent International Altaistic Conference Arbeitsbericht 1958-1960. (Printed as manuscript, n.d.), 32 pp.)

Bericht über die 1. Arbeitstagung der Permanent International Altaistic Conference in Mainz

(25. 6. bis 28. 6. 1958)

Als Ergebnis des auf dem Münchener Orientalistenkongress gefassten Beschlusses wurde für die Zeit vom 25. bis zum 28. Juni 1958 die erste internationale altaistische Arbeitstagung in den Räumen der Akademie der Wissenschaften und Literatur zu Mainz einberufen. Die Räume der Akademie wurden zu diesem Zweck liebenswürdigerweise zur Verfügung gestellt, wofür wir dem Generalsekretär derselben, Prof. Dr. H. Scheel, besondere Dankbarkeit bezeugen. Die Abhaltung der Tagung wurde durch eine finanzielle Zuwendung von Seiten des Kulturreferates des Bundesministers des Innern erleichtert, wofür ebenfalls an dieser Stelle nochmals aufrichtig gedankt sei.
Von den eingeladenen Kollegen haben leider die Fachgenossen aus der Sowjetunion, aus Ungarn und aus der Mongolischen Volksrepublik absagen müssen; sie haben uns aber ihre brieflichen Wünsche bzw. Grußtelegramme zugeschickt. Prof. A. Zajączkowski von der Polnischen Akademie der Wissenschaften hat leider die Einreisegenehmigung nicht mehr rechtzeitig erhalten. Prof. N. Poppe (Seattle, USA) war wegen seiner Studienreise nach Japan, ebenso wie Prof. A. Bombaci wegen seiner Studienreise nach Afghanistan, an einer Teilnahme verhindert. Von unseren türkischen Kollegen sowie von Prof. L. Bazin (Paris) erfolgte leider keine Antwort auf das Einladungsschreiben.
Es waren in Mainz dann als Teilnehmer erschienen:

  • Prof. Pentti Aalto (Helsinki),
  • Dr. Charles R. Bawden (London, School of Oriental and African Studies),
  • Dr. G. Doerfer (Mainz),
  • Prof. Annemarie von Gabain (Hamburg),
  • Prof. W. Heissig (Bonn),
  • Prof. Karl Jahn (Leiden),
  • Prof. Karl H. Menges (Columbia University, New York),
  • Prof. Udo Posch (University of Washington, Seattle),
  • Prof. Omeljan Pritsak (Hamburg), cand. phil. Klaus Sagaster (Bonn),
  • Prof. Denis Sinor (Cambridge),
  • Dr. Kaare Thomsen Hansen (Kopenhagen).

Als Gast nahm an der Arbeitstagung Professor Wolfram Eberhard (University of California, Berkeley) teil.
Der erste Sitzungstag galt der Frage der Verwandtschaft der altaischen Sprachen. Er wurde eröffnet mit einem Vortrag von Prof. Aalto über den Begriff und die Kriterien der Sprachverwandtschaft, wobei grundsätzlich die Methodik des Problemkomplexes der Verwandtschaft von Sprachen innerhalb einer Sprachfamilie gestreift wurde. An den Vortrag schloss sich eine lange und lebhafte Diskussion an, in der für die Frage der Verwandtschaft der altaischen Sprachen vier Möglichkeiten aufgestellt wurden:

  1. urverwandte Elemente,
  2. Entlehnungen in beiden Richtungen,
  3. Kontaktwirkungen und vielleicht
  4. spontan entstandene Ähnlichkeiten (z. B. pronominale Elemente und Verwandtschaftsbezeichnungen).

Am zweiten Tag (27. 6.) vormittags wurde über den gegenwärtigen Stand der Mongolistik berichtet (Hauptvortragender Prof. Heissig). Es ergab sich, dass die Bestände der europäischen Bibliotheken an mongolischen Handschriften und Blockdrucken bereits zum grössten Teil mit Hilfe von räsonierenden Katalogen erfasst sind. Es wurde angeregt, dass auch die Bestände aus Frankreich (Bibliothèque Nationale in Paris), England (British Museum) und Ungarn erschlossen werden. – Zur Zeit werden grössere Faksimile-Ausgaben der wichtigsten historischen und literarischen Werke herausgegeben, sowohl in der Mongolischen Volksrepublik wie in den Scripta Mongolica der Harvad-Universität, den Göttinger Asiatischen Forschungen, der neuen Serie der Monumenta Linguarum Asiae Majoris (Kopenhagen) und den Publikationen der International Academy of Indian Culture (New Delhi). Zur mongolischen Literaturgeschichtsforschung sind grössere Arbeiten in Satz gegangen, so z. B. von Prof. B. Rinčen (Ulanbator) (Materialien zum mongolischen Schamanismus und zur mongolischen Volksdichtung), eine Darstellung der mongolischen Geschichtsschreibung des 16. bis 19. Jh. (Prof. Heissig), Index zum mongolischen Tandjur (Prof. Rinčen), eine Ausgabe der Pañcarakṣā (Prof. Aalto), eine kritische Ausgabe des Erdeni-yin tobči des Saɣang Sečen (Bawden), eine Darstellung der mongolischen astrologischen und Divinationsliteratur (Bawden), u. a.
Prof. Posch berichtete über ausgedehnte Arbeiten des Far Eastern Department der University of Washington. Prof. Poppe arbeitet an einer vergleichenden Grammatik der altaischen Sprachen; es soll auch demnächst die englische Neubearbeitung seiner Dagurischen Studien erscheinen. Ausserdem laufen unter seiner Leitung Arbeiten an einer innerasiatischen und mongolistischen Bibliographie sowie an einem historischen Atlas der altaischen Völker. Prof. Posch setzt seine Arbeit an einem vergleichenden Wörterbuch der mongolischen Sprachen fort. Es werden ferner dort die gemein-altaischen “Basic words” bearbeitet (Poppe und Posch), sprachliche Aufnahmen des Kharacin-Dialektes durchgeführt, darüber hinaus sind in Bearbeitung Untersuchungen zur Wirtschaft der Mongolischen Volksrepublik (Murphy) und zur sozialen Struktur der Kalmüken (Adelmann).
Anschliessend wurde eine kurze Übersicht über die archäologische Ausgrabungstätigkeit in der Mongolischen Volksrepublik nach der vorhandenen Literatur gegeben (Referent: Pritsak).
Am Nachmittag des 27. 6. wurden die Probleme der Mongolistik (Fortsetzung) und der Turkologie behandelt.
Prof. Aalto berichtete über seine Bearbeitung des mongolistischen Nachlasses von G. J. Ramstedt. Es handelt sich dabei um Sammlungen der khalkha-mongolischen und kalmükischen Gedichte sowie um Khalkha-mongolischen Glossen, die Ramstedt am Rande seiner Exemplare der Wörterbücher von Kowalewski und Golstunskij angebracht hat. Diese Glossen ergeben ein beinahe vollständiges Wörterbuch des Khalkha-Mongolischen.
Prof. Pritsak gab eine Übersicht über die Lage der Turkologie in der Sowjetunion, wobei nicht nur die Tätigkeit der zentralen Institutionen in Moskau und Leningrad, sondern auch die in den letzten Jahren sehr intensiv arbeitenden Institutionen der türksprachigen Unions- bzw. autonomen Republiken berücksichtigt wurden.
Prof. Menges berichtete über das geplante amerikanische Altaistic Linguistic Project.
Prof. von Gabain regte eine Sammlung von Titeln samt Typisierung von Texten der türkischen Folklore an, nämlich von Epen, Volkserzählungen und Märchen, ausserhalb der Grenzen der Türkei.
Prof. Pritsak teilte mit, dass er an einer deutschen kommentierten Übersetzung des Dīvān luġat at-turk von Kāšġarī arbeitet.
Der letzte Tag der Arbeitstagung galt neben der Darlegung einiger Probleme der Turkologie (so u. a. ursprüngliche lange Vokale) und Tungusologie (vornehmlich der Konjugation) (Hauptreferent: Prof. Menges) der Planung von Arbeits- und Publikationsvorhaben.
Die Tagung fasste eine Resolution, dass der vom Verlag Mouton (Den Haag) vorgenommene Nachdruck des “Wörterbuchs” und der “Proben der türkischen Volksliteratur” von W. Radloff zu unterstützen sei und ihre Finanzierung den wissenschaftlichen Körperschaften nahezulegen und anzuempfehlen ist. Eine weitere Resolution wurde gefasst, die die Förderung der Herausgabe einer Sammlung von Auszügen aus den lateinischen und griechischen Quellen zur Geschichte der zentralasiatischen Völker durch Prof. Sinor empfahl.
Es wurde ausserdem beschlossen, eine Bibliographie zur Volksliteratur der Türkvölker (ohne die Türkei) vorzubereiten, wodurch die Arbeiten von W. Eberhard und P. Boratav auf das ganze Gebiet der türk-sprachigen Welt ausgedehnt werden sollen. Es wird gebeten, bibliographische Angaben dafür an Frau Prof. von Gabain einzusenden.
Wichtige Buchanzeigen auf dem Gebiet der altaischen Philologie sollen an Prof. Pritsak weitergeleitet werden, zur Veröffentlichung in den Ural-Altaischen Jahrbüchern.
Mongolistische Neuerscheinungen sollen an K. Sagaster (Bonn, Ostasiatisches Seminar der Universität) mitgeteilt werden, der sie zu einer vierteljährlichen Bibliographie verarbeiten und dem Herausgeber der UAJb zur Verfügung stellen soll.
Auf Grund der positiven Ergebnisse dieser Tagung haben die Teilnehmer beschlossen, eine ständige altaistische internationale Konferenz (“Permanent International Altaistic Conference”) zu gründen, die den wissenschaftlichen Gedankenaustausch zwischen allen Altaisten fördern und einmal im Jahr Ende Juni oder Anfang Juli (bis auf weiteres) in der Akademie der Wissenschaften und Literatur in Mainz zu einer mehrtägigen (3-5 Tage) Arbeitstagung Zusammentreffen soll. Als Generalsekretär wurde Prof. Heissig (Bonn) mit der Vorbereitung der nächsten Arbeitstagung im Frühsommer 1959 in Mainz beauftragt.
Für diese nächste Konferenz wurden vier Probleme vorgeschlagen, die jeweils mit einem kurzen Referat (30-40 Minuten) eröffnet werden sollen.
Sie heissen:

  1. Die Verwandtschaft der altaischen Sprachen (Referent: Prof. Pritsak),
  2. Die Grundwörter in den altaischen Sprachen nach Sachgruppen (Referent: Prof. Posch),
  3. Tiermotive in mongolischen und türkischen Epen und Volksmärchen (zum Zwecke der Themenvergleichung, noch nicht einer Deutung) (Referent: Prof. Heissig),
  4. Probleme der tungusischen Philologie (Referent: Prof. Sinor).

Die Teilnehmer der diesjährigen Tagung haben an viele der nicht anwesenden ausländischen Kollegen Kartengrüsse bzw. Telegramme (so an Pater A. Mostaert) gesandt und ihre Abwesenheit bedauert.
Dieser Bericht wird an sämtliche Kollegen Altaisten versandt.